Kirche Heilig Geist
Ludwig-Wolker-Straße 10
40477 Düsseldorf
2011 kann Heilig Geist das 100-jährige Bestehen feiern. Die wechselvolle Geschichte hat deutliche Spuren hinterlassen.
Die wichtigsten Ereignisse waren: der erste Weltkrieg, der totale Brandschaden im zweiten Weltkrieg (nur zwei Kapellen [Konchen] blieben unversehrt, der Wiederaufbau bis 1956, schließlich die Liturgiereform des zweiten Vatikanum.
Der Architekt Josef Kleesattel hat in Düsseldorf neun Kirchen gebaut, drei in unserem Pfarrverband (außer Heilig Geist: Herz Jesu und Sankt Rochus ). Der Stil unserer Kirche ist historisierend neuromanisch, aber auch an der frühchristlichen Basilika SS. Nereus und Achilleus in Rom orientiert. Doch die Vierschiffigkeit, die drei unterschiedliche Säulenformen und auch der hohe Chorraum über der Krypta entsprechen nicht dem römischen Vorbild.
Das schöne Taufbecken stammt von 1911. Es verwendet die Ornamentik der äußeren Portale. So kann man annehmen, dass der Architekt es selbst entworfen hat. Auch unsere einsame Barbara-Glocke, die dreimal täglich zum Angelusgebet läutet, entstammt der ersten Ausstattung.
Nach dem ersten Weltkrieg konnten nur wenige Anschaffungen finanziert werden. Dazu gehörte 1921 die Pietà als Kriegerdenkmal für die 96 Gefallenen der Pfarrei, 1933 ein neuer schmuckvoller Hochaltar und 1939 die Lourdes-Madonna.
Schäden aus dem zweiten Weltkrieg durch Bombensplitter sind sehr deutlich in den Tuffsteinwänden außen zu finden, aber auch am Taufbecken und an den Granitsäulen. Wie durch ein Wunder war die Lourdes-Madonna unbeschädigt geblieben. Sie hat jetzt ihren Platz unter der Orgelbühne und ist inzwischen von den Votivkerzen wieder geschwärzt. Der Hochaltar war nahezu vollständig zerstört. Einige Reliefs aus Gusseisen konnten restauriert werden und hängen in der Taufkapelle, darunter SS. Nereus, Achilleus und Domitilla. Davor sind die alten Tabernakeltüren aufgehängt. Den Wiederaufbau hat der Architekt Heinz Thoma (auch Klosterkirche an der Oststraße) geleitet. Das Ergebnis ist ein gut überschaubarer, etwas strenger, heller Raum. Der Architekt hat die Wände nicht wieder farbig gestaltet, sondern weiß kalken lassen. Die ehemals achteckigen Säulen wurden zu Tonnen verändert und mit grauem Mosaik ummantelt. Die Kapitelle sind durch einfache Kämpfer ersetzt. Auch die Decke wurde durch gleichmäßige Querbalken vereinfacht.
Vor allem aber wurde der gesamte östliche Abschluss der Kirchenschiffe umgestaltet, Wölbungen und Bögen wurden durch Rechtecke und Flächen ersetzt. In der Front der linken Schiffe sieht man die Spuren noch deutlich. Dort wurde die Konche der früheren Marienkapelle abgeschnitten. Im Hauptschiff wurde statt der großen Apsis eine glatte Wand aufgeführt. Am stärksten war der Eingriff im rechten Seitenschiff, wo statt einer Nebenapsis mit Altar nun die Treppe zur Krypta und die Empore mit dem Heizungsgitter ein unharmonisches Bild bieten. Zudem musste auch der Eingang zur Sakristei nach vorn verlegt werden, da neben dem neuen, breiten Hochaltar kein Platz blieb. (Statt der Tür ist dort ein Fenster eingelassen.)
Nach dem Wiederaufbau war zunächst an aufwendige Anschaffungen nicht zu denken: Im linken Seitenschiff stehen noch die „geliehenen“ alten Kirchenbänke. Die Gruppe „Josef als Vater“ wurde von einem Gemeindemitglied geschnitzt. Der kleine Kreuzweg stammt aus dem Wallis. Der Deckel des Taufbeckens war zerstört und wurde von einem Mataré-Schüler in Bronze neu gestaltet. Auch die neuen Fenster in der Chorwand und in der Pietàkapelle waren verhältnismäßig günstig zu erwerben. In der Chorwand sind nur zwei Fenster (Prof. Anton Wendling) durchgestaltet. Diese sind einer Doppelreihe verschieden angeordnet.
Erst mit der Klais-Orgel 1967 hat die Gemeinde eine große Anschaffung getragen. Alle Anstrengungen galten dann aber dem Bau des neuen Pfarrzentrums, das mit dem Westabschluss des Kirchenschiffs verzahnt wurde. (Architekt Thoma.)
Mit der Renovierung der Kirche 1980 wurden die Intentionen des II. Vatikanums um-gesetzt: Ein Volksaltar kam vor die Treppe, die Kommunionbänke wurden verkürzt (als Begrenzung des Altarraums) zur Seite gestellt, die Kanzel wurde durch ein Lesepult ersetzt. Erst 1986 und 1988 wurde der Chorraum mit dem Ambo und dem Kreuz (beides von Willi Dirks) künstlerisch bereichert.
Die letzte Anschaffung betraf 1998 die Seitenfenster (Karl Martin Hartmann), die vor allem zur Südseite ungewohnte Farbtöne in den Kirchenraum bringen.
Heilig Geist setzt einen kräftigen Akzent in die Stadtlandschaft Düsseldorfs. Die mächtigen Türme beherrschen die Moltkestraße an der Stelle, wo fünf andere Straßen einmünden. Die Turmuhr stammt von 1930. Sie ist inzwischen durch Funksignale geregelt. Im Außenbau gibt es drei Gesteinsarten: über dem schwarzen Sockel aus Basalt sind die Wände mit hellem Tuffstein verkleidet. Die reichen Bauornamente der Portale sind aus Sandstein. Es gibt drei Eingänge. Der wichtigste ist der unscheinbarste.
In unmittelbarer Nähe der Kirche sind die Zentralen wichtiger katholischer Verbände Deutschlands beheimatet: am Carl-Mosterts-Platz das Jugendhaus (Bundeszentrale des BDKJ) und an der Prinz-Georg-Straße die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd).
Hermann Josef Müller
